Schmerzmanagement in der Häuslichen Pflege
Schmerz ist das häufigste Symptom in der häuslichen Pflege. Ob chronische Rückenschmerzen, Tumorschmerzen, Nervenschmerzen oder arthritische Gelenkschmerzen – unbehandelter Schmerz raubt den Betroffenen ihre Lebensqualität und macht Pflege unmöglich.
Besonders kritisch: Demenzkranke können Schmerzen nicht mehr verbalisieren. Die Aufgabe pflegender Angehöriger ist es, Schmerzen zu erkennen, zu kommunizieren und konsequent auf Linderung zu drängen.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Schmerz ist immer ernst zu nehmen: "Wo kein Schmerz, da kein Schaden" ist falsch. Schmerz darf nicht ignoriert werden.
- Nichtverbale Zeichen: Grimassieren, Unruhe, Abwehrbewegungen, Stöhnen – all das kann Schmerz ausdrücken.
- Medikamente pünktlich geben: Nach der Uhr, nicht nur "wenn es nötig ist" – Schmerzen prophylaktisch verhindern.
- WHO-Stufenschema: Drei klare Stufen der Schmerztherapie – vom einfachen Paracetamol bis zum Morphin-Pflaster.
1. Schmerzen erkennen bei Menschen mit Demenz
Bei Demenzpatienten ist verbale Kommunikation eingeschränkt oder unmöglich. Pfleger und Angehörige müssen auf nonverbale Zeichen achten:
BESD-Skala (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz):
- Atmung: Angestrengte, schnelle Atmung oder Stöhnen
- Lautäußerung: Ächzen, Klagen, Weinen, "Nein"-Sagen
- Gesichtsausdruck: Stirnrunzeln, Zusammenkneifen der Augen
- Körpersprache: Angespannte Körperhaltung, Abwehrbewegungen, Reiben der schmerzhaften Stelle
- Trost: Lässt sich der Patient durch Ablenkung oder Berührung kurz beruhigen?
2. Das WHO-Stufenschema der Schmerztherapie
Die WHO empfiehlt ein Stufenschema für die medikamentöse Schmerztherapie:
Stufe 1 – Nicht-Opioid-Analgetika:
- Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac
- Für leichte bis mäßige Schmerzen
Stufe 2 – Schwache Opioide:
- Tramadol, Tilidin
- Wenn Stufe-1-Mittel nicht ausreichen
- Achtung: Tramadol kann bei älteren Menschen Verwirrtheit auslösen!
Stufe 3 – Starke Opioide:
- Morphin, Oxycodon, Fentanyl-Pflaster
- Für starke Dauerschmerzen (z. B. Tumorschmerzen)
- Pflaster sind ideal, wenn Schlucken schwierig ist
Goldene Regel: Schmerzmedikamente werden nach der Uhr gegeben, nicht "auf Anfrage". Die Therapie muss vorbeugend sein!
3. Nicht-medikamentöse Schmerzlinderung
Ergänzend zu Medikamenten gibt es viele Methoden:
- Wärme: Wärmflasche, Infrarotlampe, warme Wickel (bei chronischen Muskel-/Gelenkschmerzen)
- Kälte: Kühlpads bei akuter Entzündung
- TENS: Elektrische Reizstromtherapie (Gerät auf Rezept) blockiert Schmerzsignale
- Lagerung: Oft lindert allein die richtige Lagerung erheblich (Entlastung der Wirbelsäule, Kissen)
- Ablenkung und Aktivität: Musik hören, Gespräche, Beschäftigung lenken das Gehirn ab
4. Schmerzprotokoll führen
Führen Sie ein Schmerztagebuch:
- Wann tritt der Schmerz auf?
- Wo genau und wie stark (Skala 0–10)?
- Was lindert ihn?
- Wann wurde welches Medikament gegeben?
Dieses Tagebuch ist beim Arzttermin extrem wertvoll und hilft, die Therapie zu optimieren.
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