Prävention im Alter
Prävention im Alter

Sturzprophylaxe: Stürze im Alter verhindern

Umfassende und verlässliche Informationen für den Pflegealltag.

Sturzprophylaxe: So schützen Sie Ihren Angehörigen vor Stürzen

Ein Sturz kann für ältere oder pflegebedürftige Menschen lebensverändernde Folgen haben: Hüftfrakturen, Hirnblutungen oder das dauerhafte Vertrauensverlust in die eigene Mobilität (sogenannte Sturz-Angst) sind häufige Konsequenzen. Gleichzeitig sind die meisten Stürze vermeidbar!

Studien zeigen, dass gezielte Prophylaxe-Maßnahmen die Sturzrate um bis zu 30 % senken können. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihren Haushalt sturzfrei gestalten, den Patienten trainieren und die richtigen Hilfsmittel einsetzen.


Das Wichtigste in Kürze

  • Gefahrenanalyse: Führen Sie einen "Sturzgefahr-Rundgang" durch alle Räume und beseitigen Sie alle Risikofaktoren.
  • Bewegungstraining: Kraft und Balance können in jedem Alter noch verbessert werden. Physiotherapie auf Kassenrezept ist der effektivste Schutz.
  • Richtiges Schuhwerk: Rutschige Socken sind einer der häufigsten Sturzauslöser. Nur Schuhe mit fester Sohle tragen!
  • Schnelle Hilfe: Ein Hausnotruf gibt dem Patienten Sicherheit und ermöglicht im Sturzfall sofortige Hilfe beantragbar über die Pflegekasse.

1. Die häufigsten Sturzursachen kennen

Stürze sind selten ein Zufallsunglück. Sie entstehen aus einem Zusammenspiel mehrerer Risikofaktoren:

Intrinsische (körperliche) Faktoren:

  • Muskelschwäche (Sarkopenie) und nachlassendes Gleichgewicht
  • Sehschwäche (grauer Star, Glaukom)
  • Schwindelgefühl (durch Blutdruckabfall beim Aufstehen: orthostatische Hypotonie)
  • Neuropathie (taubes Gefühl in den Füßen durch Diabetes oder MS)
  • Kognitive Einschränkungen (Demenz, Orientierungslosigkeit)

Extrinsische (umgebungsbedingte) Faktoren:

  • Lose Teppiche, Türschwellen und unebene Böden
  • Schlechte Beleuchtung (besonders nachts)
  • Nasses oder rutschiges Badezimmer
  • Falsche Schuhwahl (Hausschuhe ohne Halt, Strumpfhosen)
  • Zu hohes oder zu tiefes Bett oder Sofa

2. Der Sturzgefahren-Rundgang: Checkliste für alle Räume

Gehen Sie mit einem kritischen Blick durch alle Räume.

Schlafzimmer:

  • Ist das Bett so hoch, dass der Patient die Füße flach auf den Boden stellen kann?
  • Gibt es eine gut erreichbare Nachtlampe (oder einen Bewegungsmelder)?
  • Liegt der Weg zur Toilette frei (keine Kabel, Teppichkanten)?

Badezimmer (Hochrisiko-Raum!):

  • Rutschfeste Matte in der Dusche und vor der Wanne?
  • Feste Haltegriffe (an Wand verankert, kein Handtuchhalter!) bei Toilette und Dusche?
  • Duschhocker oder -bank vorhanden?

Wohnzimmer und Küche:

  • Alle losen Teppiche entfernt oder mit rutschfesten Matten gesichert?
  • Häufig genutzte Gegenstände auf Griffhöhe (nicht oben im Schrank)?
  • Verlängerungskabel an der Wand befestigt?

Treppenhaus:

  • Beidseitige, stabile Handläufe vorhanden?
  • Alle Stufen gleich hoch und in gutem Zustand?

3. Bewegungs- und Gleichgewichtstraining

Das wirksamste Mittel gegen Stürze ist ein starker Körper. Kraft und Koordination lassen sich auch im hohen Alter noch trainieren!

  • Physiotherapie auf Rezept: Lassen Sie sich vom Arzt ein Rezept für "Krankengymnastik zur Sturzprophylaxe" ausstellen. Die Kasse übernimmt die Kosten.
  • Tai Chi: Tai Chi ist wissenschaftlich bewiesen das effektivste Einzel-Training zur Sturzreduktion im Alter, da es Balance, Koordination und Körperwahrnehmung gleichzeitig trainiert.
  • Alltagstraining: Üben Sie mit dem Patienten sicheres Aufstehen vom Stuhl (ohne sich mit den Armen abzustützen), das Gehen um Hindernisse herum und das Gehen auf unebenem Untergrund (z. B. auf Rasen).

4. Die richtige Hilfsmittel-Ausstattung

  • Rollator: Ein Rollator mit Feststellbremse gibt enorm viel Sicherheit beim Gehen und ermöglicht das kurze Pausieren ohne Sitzgelegenheit. (Ärztlich verordnet, von Krankenkasse bezahlt).
  • Hüftprotektoren: Spezielle Unterhosen mit eingenähten Schaumstoffpads, die im Sturzfall die Hüfte schützen. Für Hochrisikopatienten (Demenz, schwere Osteoporose) sehr empfehlenswert.
  • Hausnotruf: Im Sturzfall liegt der Patient oft hilflos am Boden und kann sich nicht selbst helfen. Ein Hausnotruf-Armband (über die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 bezuschusst) stellt sicher, dass er mit einem Knopfdruck Hilfe rufen kann.

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Andrea Russello - Gründer CareBoxx

Fachlich geprüft von Andrea Russello

Pflege-Experte & Gründer

Dieser Artikel wurde nach höchsten redaktionellen Standards verfasst und von unserem Pflege-Experten Andrea Russello inhaltlich sowie nach aktuellen Richtlinien (SGB XI) geprüft. CareBoxx garantiert unabhängige, verlässliche und praxisnahe Informationen für Pflegebedürftige und Angehörige.

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